Zafer Azouz stammt aus Syrien, ist 43 Jahre alt und hauptberuflich Künstler. Vor seiner Flucht hatte er in Syrien bereits erste eigene Ausstellungen. In unserem Gespräch war er sehr aufgeschlossen und neugierig und hat ausführlich auf alle unsere Fragen geantwortet.

 

1. Was ist deine schönste Kindheitserinnerung?

Bereits als Kind habe ich, anders als meine Geschwister, immer schon gerne gemalt und gebastelt. Während andere Kinder mit normalen Spielzeug spielten, hatte ich schon als kleiner Junge immer Malstifte in der Hand. Daran erinnere ich mich auch heute noch gerne.

 

2. Vor was hast du Angst?

Vor der Gewalt zwischen den Menschen. Ich würde gerne in einer Welt leben, in denen die Menschen friedlich miteinander umgehen.

 

3. Wie wichtig sind dir deine Freunde und deine Familie?

Beide sind von großer Bedeutung!

Familie ist das allerwichtigste im Leben und ich habe eine sehr enge Verbindung zu meinen Eltern und meinen fünf Geschwistern, sie stärken mir in jeder Situation den Rücken.

Aber auch meine Freunde sind sehr wichtig für mich, mit ihnen kann ich offen, ehrlich und ungezwungen über alles reden, über die Zukunft, meine Ziele und Ängste.

 

4. Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Meine Freizeit ist sehr eng mit meiner Tätigkeit als Künstler verbunden. Für mich ist das Malen nicht nur ein Beruf, sondern etwas, das mein ganzes Leben ausfüllt und somit auch meine gesamte Freizeit. Wenn ich mal nicht male, verbringe ich die Zeit am liebsten mit meinen Freunden oder der Familie.

 

5. Was ist dein Lieblingsessen, deine Lieblingsfarbe, deine liebste Jahreszeit?

Mein Lieblingsessen ist Mlukhiye (arabischer Spinat mit Hähnchen und Reis), ein traditionelles syrisches Gericht.

Am liebsten mag ich die Farbe Blau, diese verwende ich auch sehr häufig in meinen Werken. Vor kurzem habe ich jedoch gehört, dass Blau als kühle Farbe gilt und somit eine beruhigende Wirkung auf den Betrachter haben soll. Da ich jedoch nicht möchte, dass meine Werke kalt wirken, mische ich es mit wärmeren Farben, wie zum Beispiel Rot.

Meine liebste Jahreszeit ist der Winter. Allerdings habe ich noch keinen Winter in Deutschland erlebt, darauf bin ich schon sehr gespannt.

 

6. Was macht dich glücklich, was bedeutet für dich Glück?

Glück wäre für mich, in Deutschland als Künstler angesehen zu werden, mich voll und ganz der Kunst widmen zu können und somit an meine Erfolge in Syrien anzuknüpfen. Dazu zählen natürlich Ausstellungen, aber auch ein eigenes Atelier wäre toll, da ich momentan in einer sehr kleinen Wohnung malen muss, die ich mit vielen Mitbewohnern teile.

 

7. Welche Eigenschaften magst du an Menschen, welche nicht?

Ich mag Menschen die glaubwürdig sind und ehrlich, offen und direkt sagen, was sie meinen und dementsprechend handeln. Außerdem mag ich die Vielseitigkeit der Menschen. Das Gegenteil, also unehrliche oder verlogene Menschen, lehne ich eher ab.

 

8. Was macht für dich einen schönen Tag aus?

Ein schöner Tag ist für mich ein Tag, an dem ich abends alle Dinge erledigt habe, die ich mir am Morgen vorgenommen habe. Was das genau ist, ist eigentlich egal. Und natürlich spielt auch das Wetter eine Rolle.

 

9. Was macht dich als Mensch aus?

Ich bin ein ruhiger, aber dennoch launischer Mensch. Manchmal reicht schon eine Kleinigkeit aus, und ich kriege schlecht Laune. Gleichzeitig führt meine schlechte Laune oft dazu, dass ich durch sie wieder gute bekomme. Generell bin ich also sehr wechselhaft. Wichtig ist mir zudem täglich einige Zeit für mich allein.

 

10. Wenn du die Chance hättest, die Welt zu verändern, was würdest du ändern? Und was würde genauso bleiben?

Ich würde alle Gesellschaften zusammenführen und den Austausch der Kulturen fördern, besonders der westlichen und der arabischen Welt, die momentan eine große Kluft zu trennen scheint. Eine gerechte Welt ohne Krieg, in der alle friedlich miteinander leben, wäre das Ziel meiner Veränderungen. Mit einem Blick auf die momentane Situation würde ich daher auch nichts so belassen, wie es ist. Nur die Menschen, die bereits heute so sind, können so bleiben.

 

11. Welche Art von Kunst magst du am liebsten?

Den abstrakten Expressionismus mag ich sehr. Außerdem bin ich bereits in meinem Kunststudium auf die deutsche Kunstgeschichte aufmerksam geworden, meine Vorbilder hier sind Gerhard Richter und Georg Baselitz. Und ich mag Kunst, die experimentell ist, die versucht, etwas zu erschaffen, was es vorher noch nicht gab.

 

12. Welche Art von Kunst magst du gar nicht?

Mit der realistischen Malerei kann ich nicht so viel anfangen.

 

13. Wie definierst du Kunst? Was macht für dich gute Kunst aus?

Ich vergleiche Kunst gerne mit einem Fußballspiel: Die Leinwand ist das Spielfeld, das sich während eines bestimmten Zeitraumes ständig verändert.

Am Ende sollte ein gutes Bild dann die inneren Werte eines Künstlers nach außen spiegeln können. Es muss für den Betrachter ersichtlich sein, was der Künstler ausdrücken wollte, die Kunst muss seine Botschaft vermitteln.

 

14. Was bedeutet es für dich, Kunst zu schaffen?

Kunst ist für mich eine Art Poesie, die es schafft, die Schönheit des Lebens nach außen zu tragen.

 

15. Ist Kunstschaffen für dich etwas Privates und Intimes oder etwas Öffentliches? Wie fühlst du dich beim Malen?

Ich male sehr selten in der Öffentlichkeit, idealerweise bin ich während des Malens alleine. Es gab aber auch schon Bilder, die in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern entstanden sind.

 

16. Was hoffst du durch deine Kunst zu erreichen / auszudrücken?

Ich möchte mit meiner Kunst einen neuen Stil finden, etwas, das es vorher noch nicht gab. Außerdem sollen meine Werke für alle Menschen zugänglich sein. Und natürlich möchte ich Erfolg mit meiner Kunst haben und auch mit vielen deutschen Künstlern in Kontakt und einen Austausch kommen, das ist mir sehr wichtig.

 

17. Wie bist du zur Kunst gekommen?

Wie schon erwähnt, habe ich bereits in meiner Kindheit gerne gemalt. Aber auch meine ruhige und nachdenkliche Persönlichkeit hat mir den Zugang zur Kunst eröffnet.

 

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Zafer Azouz comes from Syria, is 43 years old and a full-time artist. Before fleeing he had his own exhibitions in Syria. In our conservation he was very open and curious and has extensively answered all our questions.

 

1. What is your most beautiful childhood memory?

As a child I always liked to paint and tinker unlike my siblings. While other children played with normal toys, I always had crayons in my hand as a little boy. To this day I still like to remember this.

 

2. What are you afraid of?

The violence between people. I would like to live in a world, where people deal with each other peacefully.

 

3. How important are your friends and your family to you?

Both are very important to me!

I have a very close connection to my parents and my five siblings, they give me encouragement in any situation.

But my friends are very important, too. With them I can talk openly, honestly and casually about everything about my future, my goals and fears.

 

4. What do you like to do in your spare time?

My spare time is very close connected to my activities as an artist. For me painting is not only a profession, but something that fills my whole life and hence all my spare time. When I’m not painting, I spend time with my best friends or family.

 

5. What is your favorite food, your favorite color and your favorite season?

My favorite food is Mlukhiyve (Arabic spinach with chicken and rice), a traditional Syrian dish.

Most of all I like the color blue, I use it very often in my work. I have recently heard, however, that blue is considered a cool color and thus is said to have a calming effect on the viewer. But since I do not want my works to seem cold, I mix it with warmer colors such as red.

 

6. What makes you happy, what is happiness for you?

Happiness would be for me, if I’m regarded as an artist in Germany, to be able to dedicate myself entirely to the art and thus to build on my success in Syria. Of course it includes exhibitions, but also a studio would be great, because I’m currently painting in a very small apartment, that I share with many other roommates.

 

7. What do you like about people, what not?

I like people that are credible and honest and say openly and directly what they think and act accordingly. I also like the versatility of people. I reject the opposite like dishonest or deceitful people.

 

8. What is a nice day for you?

A beautiful day for me is a day on which by evening I have done in all the things I’ve planned in the morning. What that is exactly, does not really matter. And of course the weather plays a role.

 

9. What kind of human being are you?

I’m a quiet but temperamental person. Sometimes already a small thing can set me off. At the same time my bad temper often means that I get into a good mood again through it. Generally I’m very moody. It’s also important to me to have some time per day just for myself.

 

10. If you had the chance to change the world, what would you change? And what would remain the same?

I would bring together all societies and promote the exchange of the cultures, particularly the West and the Arab world, which seems currently to be separate by a large gap. A just world without war, in which all live together peacefully. Therefore I would leave nothing like it is.

 

11. What kind of art do you like the most?

I like the abstract expressionism. Besides while I was studying art I have already heard of the German art history, my role models here are Gerhard Richter and Georg Baselitz. And I like art that is experimentally, trying to create something, that did not exist previously.

 

12. What kind of art do you not like?

Realistic painting

 

13. How would you define art? What is good art for you?

I like to compare art with a soccer match: The canvas is the playing field, which constantly changes during a certain period.

At the end a good picture should be reflect the intrinsic value of an artist to the outside. It must be clear to the viewer what the artist wanted to express, the art should convey its message.

 

14. What does it mean for you to create art?

For me art is a kind of poetry that manages to carry the beauty of life to the outside.

 

15. Is artistic work something private and intimate, or something public for you? How do you feel while painting?

Very rarely I paint in public, ideally I’m painting while I `m alone. But there also have been images that are created in collaboration with other artists.

 

16. What do you hope to accomplish / to express by your art?

With my art I want to find a new style with, something that previously did not exist. In addition, my work should be accessible to all people. And of course I want to have success with my art and also come into contact with many German artists and exchange myself with them, which is very important to me.

 

17. How did you get into art?

As I already mentioned, I already liked to paint during my childhood. But in addition to that my calm and thoughtful personality has given me an access to art.