Erste Flüchtlingsakademie der Freien Künste

Juni bis August 2016

 

Bei unserer Internetrecherche nach geeigneten Künstlern und Unterstützern für unser Projekt stießen wir im Juni 2016 auch auf eine Veranstaltung der Ersten Flüchtlingsakademie der Freien Künste. In Form einer eintägigen Ausstellung „FLUCHTPUNKT LEUCHTTURM - Ausstellung und Aktion NRW-Forum“ am 22. Juni vor dem NRW-Forum sollten künstlerisch gestaltete Zeltplanen präsentiert werden, die in Zusammenarbeit der Akademie mit Flüchtlingen entstanden sind. Als wir pünktlich zur Eröffnung am Vormittag am NRW-Forum eintrafen, befanden sich die Aufbauarbeiten noch in den letzten Zügen. Die präsentierten Planen weckten sofort unsere Neugierde und erschienen uns großteils sehr interessant. Jedoch hatten wir an der einen oder anderen Stelle das Gefühl, keinen wirklichen Zugang zu den Objekten finden zu können und hätten uns daher Erklärungen oder Erläuterungen zu dem Gezeigten gewünscht. Während dies allein durch die Ausstellungsumstände bedingt kaum möglich war, machten uns diese Erfahrung jedoch noch einmal bewusst, wie wichtig es für den Betrachter ist, einen erklärenden Ansprechpartner oder Informationen zu den präsentierten Bildern vorzufinden, um die Werke wirklich verstehen zu können. Als Folge dessen nahmen wir uns vor, genau dies in unsere Projektpräsentation einzubauen.

 

Da unser Interesse während unseres Besuchs der Ausstellung am NRW-Forum geweckt wurde, aber kein persönliches Gespräch zustande kam, beschlossen wir, auf anderem Wege Kontakt zur Flüchtlingsakademie aufzunehmen. Nach einem sehr freundlichen Telefonat mit Herrn Hermann Josef Hack, dem Initiator der Akademie, das einen ersten Austausch über die gegenseitigen Projektideen mit sich brachte und der Versicherung Herrn Hacks, uns bei unserem Vorhaben sehr gerne unterstützen zu wollen, vereinbarten wir schnell ein persönliches Treffen.

 

Diese Begegnung mit Herrn Hack fand schließlich am 9. August 2016 in seinem Atelier in Siegburg statt. Zusätzlich begrüßte uns auch Dr. Andreas Pohlmann, ein Kunsthistoriker, mit dem Hermann Josef Hack schon seit Jahren gemeinsame Projekte zu diversen Themen veranstaltet, unter anderem zur Flüchtlingsthematik. Nachdem sich die beiden uns vorgestellt und uns eine Runde durch Herrn Hacks Atelier geführt hatten, sprachen wie vor allem über die Projekte der beiden. In diesem Zuge zeigten sie uns Materialien ihrer vergangenen Aktionen – beispielsweise ein Malbuch für Flüchtlinge – und erklärten uns, wie sie bei der Konzeption und Durchführung jeweils vorgegangen sind. Dadurch erhielten wir viele praktische Tipps für das weitere Vorgehen unseres Teamprojekts. Anschließend erläuterten wir unsere Projektidee und den aktuellen Stand der Dinge. Da Hermann Josef Hack und Andreas Pohlmann schon wesentlich mehr Erfahrung in diesem Bereich gesammelt hatten als wir, konnten sie uns mit einigen Ideen und Verbesserungsvorschlägen sowie Tipps zu unserem möglichen weiteren Vorgehen versorgen. Ein wichtiger Kritikpunkt bestand darin, dass die beiden den Eindruck hatten, dass sich unser Projekt gegen die zahlreichen Aktionen und Ausstellungen mit Flüchtlingen, die zurzeit geplant und durchgeführt werden, nicht wirklich absetzt: Was genau ist unser Konzept? Was wollen wir sagen? Wen ansprechen? Auch unsere Rolle als Kuratoren haben sie hervorgehoben: Anstatt uns unsichtbar im Hintergrund zu halten, sollen wir uns bewusst sein, dass nicht nur die Flüchtlinge im Vordergrund stehen, sondern dass auch wir als Vermittler eine besondere Rolle spielen.

     Nachdem uns beide so durch ihre konstruktive Kritik klargemacht hatten, wie viel wir noch (einmal) überdenken müssen, sicherten sie uns auch ihre Unterstützung und Hilfe für den Fortgang unseres Projektes zu. In diesem Zuge boten sie nicht nur die Vermittlung von Pressekontakten an, sondern auch Unterstützung beim Layout unserer Werbemittel uns bei der Durchführung eines möglichen Rahmenprogramms.

 

 

 

 

 

Entwicklung unseres Teamprojekts (2)

Juni bis Ende August 2016

 

Selbstverständlich hat sich in den letzten Monaten auch abseits der Treffen mit Künstlern und Unterstützern einiges bei der Entwicklung unseres Projekts getan. Auf konzeptioneller Ebene haben wir so beispielsweise unsere ursprüngliche Idee, zusammen mit Flüchtlingen Kunst zu schaffen und somit einen besonderen Raum der Begegnung zu kreieren, verworfen. Leider mussten wir einsehen, dass uns, um dieses Vorhaben umzusetzen, schlichtweg die Räumlichkeiten, das Material und vor allem die finanziellen Mittel fehlten – diese Idee war mit unseren Möglichkeiten also nicht umsetzbar. Zudem wäre der gesamte Prozess so zeit- und arbeitsintensiv gewesen, dass der Aufwand und die Dauer den Umfang eines Teamprojekts bei weitem überschritten hätten. Den ausschlaggebenden Anstoß, die Idee vollständig fallenzulassen, gab aber unser erster Kontakt mit geflüchteten Kunstschaffenden: Da diese bereits fertige Werke vorzuweisen hatten, die sie in die Ausstellung einbringen wollten, erschien es uns nur logisch, uns zum Zwecke einer klaren Linie auch auf solche Werke zu beschränken.

     Besonders anschließend an Herrn Hacks und Herrn Pohlmanns Anmerkungen ergaben sich zudem wichtige Konkretisierungen unseres Konzepts. Während wir von Beginn an die Persönlichkeiten der präsentierten Kunstschaffenden in den Vordergrund rücken wollten, entschieden wir uns dafür, diesen Fokus noch einmal zu intensivieren. Wir beschlossen nicht nur, Interviews mit den Geflüchteten zu führen, Fotos von ihnen auf unserer Homepage zu veröffentlichen und sie die präsentierten Bilder selbst wählen zu lassen, sondern auch, sie zu jedem Bild ein paar Zeilen schreiben zu lassen, die in der Ausstellung zusammen mit ihren Werken präsentiert werden. Zudem machten wir uns Gedanken darüber, wie wir in unserer Ausstellung möglichst viele Hemmschwellen abbauen könnten, um nicht nur einheimisches Publikum, sondern vor allem auch Flüchtlinge ins Haus der Universität zu locken. Während diesbezüglich das Übersetzen der Ausstellungstexte von Beginn zentral für uns war, beschlossen wir zusätzlich, Plakate und Flyer in Flüchtlingsunterkünften zu verteilen und das Rahmenprogramm möglichst für alle zugänglich zu gestalten. Und auch in Bezug auf unsere Rolle als Vermittler ergaben sich einige Veränderungen: Da wir mit unserem Teamprojekt von Beginn an vor allem eine Kontaktbasis schaffen und Ängste abbauen wollten, erschien es uns nur sinnvoll und richtig, den Besucher daran teilhaben zu lassen, wie dieser Prozess bei uns selbst stattfindet. Anstatt uns bei der Dokumentation des Weges zur Ausstellung nur auf die Künstler sowie praktische Aspekte zu konzentrieren, beschlossen wir daher, auch unsere persönlichen Gefühle, unsere Entwicklung und den Kontakt mit den Flüchtlingen intensiv miteinzubeziehen.

 

Neben diesen inhaltlichen Überlegungen trieben wir selbstverständlich auch die praktischen Seiten voran. Ein Aspekt, der uns am meisten Sorgen bereitete, bestand in der Finanzierung unseres Projekts. Nach einer Absage des Freundeskreises der Kunstgeschichte, dem für dieses Jahr kein Budget mehr zur Verfügung steht, schauten wir uns intensiv nach anderen Möglichkeiten um. Leider stellten wir schnell fest, dass momentan überall finanzielle Unterstützung für Flüchtlinge benötigt wird, die Töpfe jedoch größtenteils leer sind. Bis wir für dieses Problem eine Lösung gefunden haben, müssen wir uns also wohl oder übel darauf konzentrieren, möglichst wenige Kosten zu generieren.

     Darüber hinaus fokussierten wir uns auf den Aufbau unserer Internetpräsenz und machten uns weiterführende Gedanken über die Räumlichkeiten – wie viel Platz haben wir und wie genau können wir hängen? –, über das Catering, mögliche Dolmetscher und noch vieles mehr. Während wir an einigen Stellen gut vorankamen, merkten wir an vielen anderen jedoch auch, dass wir hier erst einmal geduldig sein mussten: So lange wir beispielsweise noch nicht wussten, wie groß die uns zur Verfügung gestellten Werke sein würden, konnten wir schlecht entscheiden, wo und wie genau wir sie hängen wollen. Und schließlich waren wir immer noch auf der Suche nach einem vierten Künstler, der unser Ausstellungsquartett komplettieren würde.

 

Zusätzlich zu all diesen Überlegungen fiel uns bei vielen gemeinsamen Gesprächen jedoch vor allem auf, wie sehr sich nicht nur unser Projekt, sondern auch wir im Laufe der letzten Monate verändert hatten. Die anfänglichen Berührungsängste und Schüchternheiten wurden durch die durchweg positiven Erfahrungen, die wir in letzter Zeit sammeln durften, enorm abgebaut. Zudem haben wir uns mittlerweile auf die Verständigungsschwierigkeiten und kulturellen Unterschiede eingestellt, sodass wir nun viel leichter in der Lage sind, locker auf Geflüchtete zuzugehen und Kontakt zu ihnen aufzunehmen. Anstatt Abstand zu halten, haben wir am eigenen Leib erfahren, dass der Umgang mit diesen Menschen eine kulturelle und persönliche Bereicherung für uns ist, dass wir durch sie eine Menge lernen und unseren Horizont erweitert durften, vor allem auch auf menschlicher Ebene. Zudem merkten wir mit zunehmendem Austausch immer mehr, dass diese Menschen nicht mehr primär Flüchtlinge für uns waren, sondern ganz normale Mitmenschen. Zwar haben sie oftmals schlimme Dinge erlebt und bringen einen komplett anderen kulturellen Hintergrund mit als wir, dennoch versuchen auch sie nur so gut es unter den gegebenen Umständen eben möglich ist ihr Leben zu meistern und sind im Kern wie du und ich. Dies hat nicht zuletzt auch dazu geführt, dass wir privat Freundschaften zu Flüchtlingen geschlossen haben und auch in unserem Alltag nun viel leichter in der Lage sind, auf Geflüchtete zuzugehen.

 

Umso entsetzlicher, trauriger und besorgniserregender erscheint uns jedoch der Trend in der Gesellschaft, diesen Schritt nicht zu gehen, sondern lieber in Angst, Hass und Abgrenzung zu verharren. Dies zeigt sich nicht nur in den deutlich steigenden Umfragewerten und Wahlergebnissen rechtspopulistischer Parteien europaweit, sondern – und dies erscheint noch viel erschreckender – vor allem in der zunehmenden Gewalt Flüchtlingen gegenüber sowie der Personen, die sich für diese einsetzten.

     Während dies für viele immer noch ein primäres Problem Ostdeutschlands ist, mussten wir in letzter Zeit immer öfter feststellen, dass Fremdenfeindlichkeit auch im Westen salonfähig geworden zu sein scheint. Erst kürzlich erschien in der NGZ ein Artikel über die Gründung der „Campus Alternative“ an der Heinrich-Heine-Universität – dass diese mit einer Adaption der „I Want You“-Kampagne der US-Army während des Ersten und Zweiten Weltkriegs für sich wirbt spricht wohl für sich –auch im Alltag ist diese Entwicklung also nicht mehr zu übersehen.