Endspurt
Oktober und Anfang November 2016

 

Ab Anfang Oktober wurde es langsam Ernst – und es gab noch viel zu tun. Wir machten uns trotz unseres geringen Budgets auf die Suche nach einer Bäckerei, die uns bei unsere Eröffnung unterstützen würde, debattierten lange über das Kunstwerk, das unsere Poster und Flyer als Hintergrundbild zieren würde und suchten händeringend nach Übersetzern für die Texte der Künstler. Da die Eröffnung als Folge von Raumproblemen vom 3. auf den 9. November verschoben wurde, gab uns dies immerhin noch einige Tage mehr, alles zu organisieren und in die Tat umzusetzen.

 

Mitte Oktober holten wir die ersten Werke für unsere Ausstellung bei Zafer und Dalal ab. Wie auch bei unseren vorangegangenen Treffen waren beide sehr nett, offen und gastfreundlich. Wir fühlten uns in ihrer Gegenwart nicht nur immer wohler, auch wurden die Begegnungen zunehmend ungezwungener und die Freude, sich wiederzusehen, immer größer. Besonders schön war es zu sehen, wie groß die Aufregung und Freude darüber, ihre Werke endlich auszustellen, bei den Kunstschaffenden waren. Vor allem Zafer schien begeistert, konnte sich kaum entscheiden, welche seiner Werke er nun zeigen wollte und kündigte an, unbedingt bei der Hängung mithelfen zu wollen. Zudem war es für uns spannend zu sehen, wie unterschiedlich Zafer und Dalal an die Vermittlung ihrer Werke herangingen: Während Zafer zu jedem einzelnen Werk eine Art kurzes Gedicht verfasste, dem Betrachter zusätzlich zur visuellen auch eine literarische Anregung mit auf den Weg geben wollte, war es Dalals Anliegen, den Betrachter sich selbst zu überlassen und die Werke ohne zusätzliche Erklärung wirken zu lassen. Trotz dieser unterschiedlichen Vorstellungen hatten sie jedoch Eines gemein: Beide waren – völlig zurecht – ungemein stolz auf ihre Arbeiten. Wie schon unsere vorangegangenen Besuche, waren auch diese Treffen kleine Begegnungsräume. Mit Dalal saßen auch ihr Mann und ihre Kinder mit uns am Tisch und diskutierten über ihre Werke. Zafers Mitbewohner halfen sogar tatkräftig beim Verpacken der Bilder. In diesem Zusammenhang machten wir auch eine der schönsten Erfahrungen dieser Tage: Nachdem das Treffen schon fast vorüber war, bedankte sich Zafer ausdrücklich bei uns und erklärte, wie viel ihm das bedeute, was wir für ihn und seine Kunst machten. Dieser Moment bestärkte uns wieder einmal, dass wir mit unserem Projekt alles richtig gemacht hatten.

      Eine Woche später holten wir dann auch die Werke Durras und Hosseins ab. Vor allem Durra sprach schon sehr gut Deutsch und konnte uns die Bedeutung ihrer Werke problemlos erklären. Da eines ihrer Bilder kurzfristig in eine andere Ausstellung aufgenommen wurde, hatte sie in den vorangegangenen zwei Wochen extra ein neues für unsere Ausstellung gemalt, das uns durch seine Ausdrucksstärke wirklich begeisterte. Auch sie hat uns tatkräftig beim Einpacken geholfen und uns für die nahe Zukunft zum Essen eingeladen, sodass es hoffentlich schnell zu einem Wiedersehen kommt.

 

Nachdem wir somit nahezu alle Werke in unsere Obhut genommen hatten, stand Mitte Oktober ein weiteres Treffen mit Herrn Dr. auf der Horst auf dem Programm. Dort konnten wir vor allem letzte Fragen zu Räumlichkeiten und Hängung klären. Da das Haus der Universität alle Utensilien zur Aufhängung besaß, waren wir froh zu hören, dass für uns keine zusätzlichen Materialkosten anfielen und die verfügbaren Wandflächen erlaubten eine freie und großzügige Hängung. Nachdem wir noch die Termine für Hängung und Aufbau festgelegt hatten, verließen wir das Haus der Universität mit einer Mischung aus Freude und Nervosität.

 

Diese Gefühle steigerten sich noch, je näher die Ausstellungseröffnung rückte. Vor allem die Nervosität wurde in den letzten Tagen unser ständiger Begleiter. Da wir zudem noch nicht alle Texte ins Arabische übersetzen konnten und auch das Layout unserer Werbung noch nicht zu einhundert Prozent stand, wurde zudem der Zeitdruck immer größer. Dennoch machte sich auch eine zunehmende Vorfreude bemerkbar, endlich die Ergebnisse unserer langen Arbeit zu sehen und wir waren gespannt, wie unsere Ausstellung bei unseren Gästen und den Kunstschaffenden selbst ankommen würde.

 

Die letzten Tage vor der Ausstellungseröffnung waren natürlich die stressigsten, zugleich aber auch spannendsten. Nachdem wir uns für Durras Bild eines afrikanischen Mädchens als unser Hintergrundbild entschieden hatten und alle technischen Schwierigkeiten überwunden waren, konnten wir endlich unsere Werbemittel drucken und verteilen. Wir schrieben einen Pressetext, verschickten Einladungen und tüftelten an der Verteilung der Kunstwerke in den Räumen und Etagen. Gerade diese letzte Frage entpuppte sich als tückisch, da wir einerseits ein harmonisches Raumbild schaffen wollten, in dem Kunststile und einzelne Werke gut zusammenpassten; gleichzeitig wollten wir jedoch auch allen Künstlern gerecht werden und keinen zu Ungunsten eines anderen besonders hervorheben. Auch das Zusammenstellen der Werklisten stellte sich noch einmal als eine große Herausforderung heraus: Nicht nur wollten die genutzten PC-Programme nicht so wie wir, auch hatten wir ziemliche Schwierigkeiten mit den Übersetzungen ins Arabische. Da viele Menschen, die diese Sprache sprechen, sie jedoch nicht in Schriftform beherrschen, mussten wir bis zum Schluss nach Übersetzern suchen und haben noch am Tag der Eröffnung an diesen gearbeitet. Dank der fantastischen Hilfe von Zeinab Sido konnten wir jedoch alles übersetzen und somit auch den Geflüchteten einen Zugang zur Ausstellung ermöglichen. Als Folge dieser Schwierigkeiten hätte gerade die Werkliste noch besser und optimaler gestaltet werden können, dennoch haben wir es so gut gemacht, wie es unter den gegebenen Umständen nur ging.

     Zwei Tage vor der Eröffnung begannen wir schließlich, die Werke zu hängen. Obwohl wir dabei Unterstützung von Zafer und Hossein bekamen, stellte sich die Hängung doch als schwieriger heraus, als wir anfangs dachten, sodass wir anstatt einem Tag ganze zwei benötigten. Zudem wirkten einige Kombinationen der Werke nicht so, wie wir uns dies vorgestellt hatten, sodass wir unseren Plan an einigen Stellen ändern und Werke umhängen mussten, bis wir zufrieden waren. In dieser Zeit verfassten wir auch unsere Reden, planten den Ablauf des Abends und besorgten und lieferten die Verpflegung für die Vernissage an, sodass unsere Tage mehr als vollgepackt waren. Nachdem wir es in letzter Minute – dank der Hilfe von Lindas Eltern – noch geschafft hatten, die für die Vernissage benötigten Texte zu drucken und einzulaminieren, konnte es nun endlich, endlich losgehen. Die Gäste warteten!